pH 5,5 – ist das wirklich das Geheimnis hautfreundlicher Reinigung?

pH 5,5 kennen wir alle. Aber wissen wir auch, was die Zahl wirklich bedeutet?

Warum pH-hautneutral nicht dasselbe wie pH-neutral ist – und weshalb der pH-Wert allein nur die halbe Geschichte erzählt.

pH 5,5 – ist das wirklich das Geheimnis hautfreundlicher Reinigung?

Warum wir diese Zahl alle kennen – und warum sie trotzdem nur einen Teil der Geschichte erzählt.

„Warum redest du eigentlich nie über pH 5,5? Das ist doch gut für die Haut!“ Diese Frage stellte mir kürzlich mein Bruder.

Und ich merkte im Gespräch ziemlich schnell: Wir alle kennen diese Zahl. pH 5,5. pH-hautneutral. Mild zur Haut. Sie begegnet uns seit Jahren auf Verpackungen und in der Werbung. Aber was bedeutet sie eigentlich? Und weshalb haben unsere handgesiedeten Seifen keinen pH-Wert von 5,5?

Zeit für etwas Chemie – aber so, wie ich sie auch bei uns im Fabrikverkauf erkläre.

Was ist eigentlich ein pH-Wert?

Der pH-Wert beschreibt vereinfacht gesagt, wie sauer oder basisch – also alkalisch – eine wässrige Lösung ist. Die bekannte Skala reicht von 0 bis 14. Werte unter 7 sind sauer, pH 7 ist neutral und Werte über 7 sind basisch beziehungsweise alkalisch.

Ein paar Beispiele machen es sofort verständlicher: Zitronensaft liegt ungefähr bei pH 2–3. Die Hautoberfläche liegt typischerweise im leicht sauren Bereich, ungefähr bei pH 4,5–5,5. Reines Wasser liegt bei pH 7. Klassische Seife liegt deutlich höher, ungefähr im Bereich pH 9–10.

pH-neutral und pH-hautneutral – nicht dasselbe

Hier beginnt bereits die erste Verwechslung: pH-neutral bedeutet pH 7 – also neutral auf der pH-Skala. pH-hautneutral meint dagegen einen Wert, der ungefähr dem leicht sauren Milieu unserer Hautoberfläche entspricht.

Darum begegnet uns bei vielen Wasch- und Pflegeprodukten die Zahl 5,5. Sie ist also nicht einfach eine magische Zahl für „gut zur Haut“, sondern beschreibt zunächst eine chemische Eigenschaft des Produktes.

Und genau hier lohnt sich ein zweiter Blick: Der pH-Wert allein sagt noch nicht, wie stark ein Produkt reinigt oder entfettet.

Was die ölige Salatschüssel damit zu tun hat

Stellen wir uns eine Salatschüssel vor. Wir verteilen darin ordentlich Olivenöl und geben die Schüssel anschliessend in die Spülmaschine. Nach dem Waschgang ist das Öl weg. Die Schüssel ist sauber.

Das funktioniert, weil waschaktive Substanzen Fett von einer Oberfläche lösen und es mit Wasser abtransportierbar machen können. Solche waschaktiven Substanzen nennt man Tenside.

Auch viele Duschgele, Waschstücke und Syndets reinigen mit Tensiden. Tenside sind dabei nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Es gibt sehr unterschiedliche Tenside und sehr unterschiedlich milde Formulierungen. Auch unsere Shampoo-Bars arbeiten mit einem sorgfältig ausgewählten Tensid.

Der entscheidende Punkt: Ein hautnaher pH-Wert und die entfettende Wirkung eines Reinigungsproduktes sind nicht dasselbe.

Ein Produkt kann also einen pH-Wert um 5,5 haben und trotzdem sehr wirksam reinigen. Wie sich eine Reinigung auf der Haut anfühlt, hängt deshalb nicht nur von einer Zahl auf der Verpackung ab, sondern von der gesamten Formulierung und der Anwendung.

Und was ist bei echter Seife anders?

Klassische Seife entsteht durch die Verseifung von Fetten und Ölen mit einer Lauge. Dabei entstehen Seife und natürliches Glycerin. Echte Seife ist alkalisch. Unsere handgesiedeten Seifen haben deshalb ganz bewusst keinen pH-Wert von 5,5.

Für uns ist stattdessen die gesamte Rezeptur entscheidend. Wir arbeiten mit ausgewählten Ölen und Fetten und formulieren unsere Seifen bewusst mit einer hohen Überfettung.

Überfettung bedeutet vereinfacht: Die Rezeptur wird so berechnet, dass ein Anteil der eingesetzten Fette und Öle nicht verseift wird . Das gehört zu unserem pflegenden Rezepturkonzept – ebenso wie die Auswahl und Kombination der verwendeten Rohstoffe.

Das macht pH 5,5 nicht „schlecht“ und alkalische Seife nicht automatisch „gut“. Es zeigt vielmehr, warum eine einzelne Zahl nicht genügt, um ein komplettes Reinigungsprodukt zu beurteilen.

Wenn die Heizsaison beginnt

Gerade jetzt wird das Thema wieder aktuell. Draussen sinken die Temperaturen, drinnen laufen die Heizungen, im Auto bläst warme Luft aus der Lüftung. Kalte Aussenluft enthält weniger Feuchtigkeit, und beheizte Innenräume können die Haut zusätzlich beanspruchen.

Viele Menschen bemerken dann plötzlich, dass die Haut trockener wirkt, spannt oder empfindlicher reagiert. Und genau dann lohnt es sich, nicht erst bei der Bodylotion anzusetzen, sondern auch die tägliche Reinigung anzuschauen.

Wie oft dusche ich? Wie heiss? Welches Reinigungsprodukt verwende ich? Wie fühlt sich meine Haut direkt danach an?

Hautpflege beginnt nicht erst mit der Bodylotion. Sie beginnt bereits bei der Reinigung.

Also: Ist pH 5,5 gut oder schlecht?

So einfach lässt sich das nicht beantworten – und genau das ist eigentlich die wichtigste Erkenntnis.

Ein pH-Wert um 5,5 kann eine sinnvolle Eigenschaft eines Hautreinigungsproduktes sein. Aber er erzählt nicht die ganze Geschichte.

Entscheidend ist das Gesamtprodukt: die Rezeptur, die Reinigungsleistung, die Anwendung – und nicht zuletzt die eigene Haut.

Schau deshalb nicht nur auf die Zahl auf der Verpackung. Schau auf die gesamte Rezeptur und darauf, wie deine Haut damit zurechtkommt.

Und falls du das nächste Mal irgendwo „pH-hautneutral 5,5“ liest, weisst du wenigstens, was diese Zahl tatsächlich bedeutet.